Geschichte der Pflanzenheilkunde

 

  Pflanzenreport

        Gerold Hüthmayr-Stieglmayr

 

          

Zur Geschichte der Heilpflanzenkunde. 

Das Wissen über die Heilkraft der Pflanzen lässt sich bis auf die ältesten Tage der Menschheit zurückverfolgen. Mythen, Sagen und Märchen ranken sich seit jeher um die heilenden Pflanzen. Heute schwer verständlicher Aberglaube trug ein weiteres zu ersten Erscheinungsformen einer primitiven Volksheilkunde bei. Je mehr eine Pflanze davon betroffen war umso stärker war der Glaube an deren Heilkraft. Dies war bei fast allen  Völkern der Erde der Uranfang der Pflanzenheilkunde, so bei den alten Chinesen, Indern, Ägyptern, Persern, Griechen, Römern und Germanen. Aber auch außerhalb des eurasischen Kontinentes.

Mit der Erfindung der Schrift bereits wurde damit begonnen Beobachtungen und Erfahrungen, insbesondere der Natur festzuhalten. 

Als ältestes Heilpflanzenbuch gilt jenes des chinesischen Kaisers Shin-nong, der etwa um 3700 vor Christi lebte. 

Berühmt ist auch der so genannte „Papyrus Ebers“ aus Ägypten aus der Zeit um 1500 vor Christi. 

In der griechischen Mythologie gibt es Hinweise auf Heil- und Giftpflanzen. 

Im Corpus Hippocratium, der hippokratischen Schriftensammlung, die hauptsächlich auf den berühmten Arzt Hippokrates (um 390 vor Christi) zurückgeht, werden 200 Heilpflanzen genau beschrieben. 

Der griechische Naturforscher Theophrast von Eresos (390 – 287 v.Chr.) verfasste ein Pflanzenwerk, in dem er allerdings viel Aberglauben und kritiklos übernommene Volksüberlieferung übernahm. Er kann jedoch als erster Botaniker gelten, der die Grundlagen zur Morphologie und Physiologie der Pflanzen schuf. 

Die alten Römer hatten viel Verständnis für Heilpflanzen, übernahmen viel Wissen von den Griechen und erweiterten dieses beachtlich.

Plinius Secundus der Ältere (gest.79 n.Chr.) verfasste 12 Bände nur über Heilpflanzen.

Galenos von Pergamon (129 – 216 n.Chr.), Arzt und Pharmakologe dessen Kräuterrezepte noch 1000 Jahre nach seinem Tod volle Anerkennung fanden. Noch heute bezeichnet man als „Galenica“ rein pflanzliche Heilmittel. 

„Capitulare de villis“  ist eine Reichsverordnung Kaiser Karls des Großen (742 – 814) über den Anbau von Heil- und Gemüsepflanzen, die in der Mönchsmedizin starke Berücksichtigung fand. 

Hildegard von Bingen (1098-1179) verfasste „Causae et curae“ über Ursachen und Behandlungsmethoden von Krankheiten. 

Mit der Erfindung des Buchdruckes häuften sich die Bücher über Heilpflanzen. 

An der Schwelle zur Neuzeit kommt besonders durch den Arzt und Naturforscher Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493-1541) die ganze mittelalterliche Heilkunst und Erfahrung, gepaart mit astrologisch-alchemistischer Spekulation zum Durchbruch.

In der Folge wurden noch viele wertvolle Heilpflanzenbücher verfasst, wie zum Beispiel von Karl von Linnè, Franz Stoerck, Hufeland, Rademacher und Heim. 

Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755 -1843), Begründer der Homöopathie.                                                                     Dies als Antipode zur Medizin seiner Zeit, in der manche Fehlentwicklungen vorhanden waren. 

Mit Beginn des 19.Jahrhunderts wurden durch den Ausbau der chemischen Wissenschaften und die Entwicklung der experimentellen Pharmakologie die Heilpflanzen fast völlig verdrängt. 

Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) gab dem über Jahrhunderte entwickelten Heilpflanzenwissen letzte Impulse. 

Die epochalen Errungenschaften der synthetischen Chemie und damit auch der Pharmakologie und Heilkunde sind heute nicht mehr wegzudenken. Dessen ungeachtet ist eine Besinnung auf die Kraft der Heilpflanzen in weiten Kreisen der Ärzteschaft und der Bevölkerung festzustellen.

Die Pharmaindustrie unternimmt heute große Anstrengungen in der Erforschung der Pflanzenwirkstoffe und der Herstellung effizienter Medikamente daraus. So werden laufend große Erfolge mit nebenwirkungsarmen Präparaten erzielt.

Statistiken der Weltgesundheitsorganisation besagen, dass heute 25% der verschriebenen Medikamente in den USA aus natürlichen Substanzen bestehen. Weitere 25% aus Stoffen von natürlichen Substanzen, die aus deren chemischer Veränderung hervorgegangen sind.

 

 

 

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