Zur Geschichte der
Heilpflanzenkunde.
Das Wissen über die Heilkraft der Pflanzen lässt sich bis auf
die ältesten Tage der Menschheit zurückverfolgen. Mythen, Sagen und
Märchen ranken sich seit jeher um die heilenden Pflanzen. Heute schwer
verständlicher Aberglaube trug ein weiteres zu ersten Erscheinungsformen
einer primitiven Volksheilkunde bei. Je mehr eine Pflanze davon
betroffen war umso stärker war der Glaube an deren Heilkraft. Dies war
bei fast allen Völkern der Erde der Uranfang der Pflanzenheilkunde, so
bei den alten Chinesen, Indern, Ägyptern, Persern, Griechen, Römern und
Germanen. Aber auch außerhalb des eurasischen Kontinentes.
Mit der Erfindung der Schrift bereits wurde damit begonnen
Beobachtungen und Erfahrungen, insbesondere der Natur festzuhalten.
Als ältestes Heilpflanzenbuch gilt jenes des chinesischen
Kaisers Shin-nong, der etwa um 3700 vor Christi lebte.
Berühmt ist auch der so genannte „Papyrus Ebers“ aus
Ägypten aus der Zeit um 1500 vor Christi.
In der griechischen Mythologie gibt es Hinweise auf Heil- und
Giftpflanzen.
Im Corpus Hippocratium, der hippokratischen
Schriftensammlung, die hauptsächlich auf den berühmten Arzt Hippokrates
(um 390 vor Christi) zurückgeht, werden 200 Heilpflanzen genau
beschrieben.
Der griechische Naturforscher Theophrast von Eresos
(390 – 287 v.Chr.) verfasste ein Pflanzenwerk, in dem er allerdings viel
Aberglauben und kritiklos übernommene Volksüberlieferung übernahm. Er
kann jedoch als erster Botaniker gelten, der die Grundlagen zur
Morphologie und Physiologie der Pflanzen schuf.
Die alten Römer hatten viel Verständnis für Heilpflanzen,
übernahmen viel Wissen von den Griechen und erweiterten dieses
beachtlich.
Plinius Secundus
der Ältere (gest.79
n.Chr.) verfasste 12 Bände nur über Heilpflanzen.
Galenos von Pergamon
(129 – 216 n.Chr.), Arzt und Pharmakologe dessen Kräuterrezepte noch
1000 Jahre nach seinem Tod volle Anerkennung fanden. Noch heute
bezeichnet man als „Galenica“ rein pflanzliche Heilmittel.
„Capitulare de villis“
ist eine Reichsverordnung Kaiser Karls des Großen (742 – 814) über den
Anbau von Heil- und Gemüsepflanzen, die in der Mönchsmedizin starke
Berücksichtigung fand.
Hildegard von Bingen
(1098-1179) verfasste „Causae et curae“ über Ursachen und
Behandlungsmethoden von Krankheiten.
Mit der Erfindung des Buchdruckes häuften sich die Bücher
über Heilpflanzen.
An der Schwelle zur Neuzeit kommt besonders durch den Arzt
und Naturforscher Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt
Paracelsus (1493-1541) die ganze mittelalterliche Heilkunst und
Erfahrung, gepaart mit astrologisch-alchemistischer Spekulation zum
Durchbruch.
In der Folge wurden noch viele wertvolle Heilpflanzenbücher
verfasst, wie zum Beispiel von Karl von Linnè, Franz Stoerck, Hufeland,
Rademacher und Heim.
Christian Friedrich
Samuel Hahnemann
(1755 -1843), Begründer der Homöopathie.
Dies als Antipode zur Medizin seiner Zeit, in der manche
Fehlentwicklungen vorhanden waren.
Mit Beginn des 19.Jahrhunderts wurden durch den Ausbau der
chemischen Wissenschaften und die Entwicklung der experimentellen
Pharmakologie die Heilpflanzen fast völlig verdrängt.
Pfarrer Sebastian
Kneipp
(1821-1897) gab dem über Jahrhunderte entwickelten Heilpflanzenwissen
letzte Impulse.
Die epochalen Errungenschaften der synthetischen Chemie und
damit auch der Pharmakologie und Heilkunde sind heute nicht mehr
wegzudenken. Dessen ungeachtet ist eine Besinnung auf die Kraft der
Heilpflanzen in weiten Kreisen der Ärzteschaft und der Bevölkerung
festzustellen.
Die Pharmaindustrie unternimmt heute große Anstrengungen in
der Erforschung der Pflanzenwirkstoffe und der Herstellung effizienter
Medikamente daraus. So werden laufend große Erfolge mit
nebenwirkungsarmen Präparaten erzielt.
Statistiken der Weltgesundheitsorganisation besagen, dass
heute 25% der verschriebenen Medikamente in den USA aus natürlichen
Substanzen bestehen. Weitere 25% aus Stoffen von natürlichen Substanzen,
die aus deren chemischer Veränderung hervorgegangen sind.