Botanische Eigenschaften der Orchideen

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Verfasser: Gerold Hüthmayr-Stieglmayr
Alpengarten Villacher Alpe
Botanik

Der Name „Orchideen“ stammt aus dem Griechischen. Er leitet sich ab von den bei vielen Orchideen zu beobachtenden unterirdischen, hodenförmigen  Wurzelknollen ab. ( Hoden = griechisch Orchis)

Einordnung in die botanische Systematik:

·          Samenpflanzen, Blütenoflanzen (Spermatophyta)

-      Bedecktsamer (Angiospermophytina)

-       Einkeimblättrige Pflanzen (Monokotyledoneae)

-       Spargelblütige Pflanzen (Asparaganae)

-       Orchideenartige Pflanzen (Orchidales)

-      Orchideen (Orchidaceae)

 

Mykorrhiza

Zusammenleben mit Bodenpilzen

Mykotrophie

Ernährung mit Hilfe von Pilzen

Papillen

Haarförmige Zellen z.B. auf der Lippe der Orchideenblüte

Petalen

Innere Blütenkronblätter

Pollinarium

Einrichtung der Orchideen zum Aufkleben des Polliniums auf die Insekten bei der Bestäubung

Pollinium

Zu einheitlichem Gebilde verklebter Inhalt des Pollensackes.

polyploid

Vervielfältigter Chromosomensatz

Resuption

Drehung der Blüte, wodurch die Lippe nach unten gerichtet wird.

Rhizom

Unterirdische, ausdauernder Pflanzenteil

Rostellum

Klebriges Blütenorgan, mit dessen Hilfe die Pollarien einem besuchenden Insekt aufgeklebt werden.

Sepalen

Äußere Blütenhüllblätter, Kelchblätter

Symbiose

Zusammenleben verschiedener Organismen mit gegenseitigem Vorteil

triploid

Zellen mit dreifachem Chromosomensatz

 

Einige botanische Begriffe

Allogamie

Fremdbestäubung

Anthere

Staubbeutel

Anthese

Phase zwischen Auf- und Verblühen

Apomikt

Geschlechtliche Fortpflanzung wird durch andere Fortpflanzungsweisen ersetzt. Z.B. Jungfernzeugung

asexuell

Nicht geschlechtlich

asymbiontisch

Samenkeimung bei Orchideen; ohne Mithilfe eines Pilzes.

Autogamie

Selbsbestäubung

Chlorophyll

Blattgrün

diploid

Zellen mit 2-fachem Chromosomensatz

Endemit

Auf bestimmtes Verbreitungsgebiet beschränkt

Hypochil

Hinterer Teil der Lippe bei Orchideen

Infloreszenz

Blütenstand

Kleistogamie

Selbstbestäubung in der geschlossenen Knospe

Klon

Genetisch identer Nachkomme

Labellum

Lippe der Orchideenblüte

 

Blüte – Bestäubung - Samen

Die Blüte besteht bei allen Orchideen aus

·          3 Kelchblättern (Sepalen)

·          3 Kronblättern (Petalen)

-       1 Kronblatt bildet sich zur Lippe (Labellum) aus, die in der Regel durch eine Drehung (Resupination) unten steht.

·          5 der 6 Staubblätter sind mit dem Griffel verwachsen
   und bilden die Griffelsäule (Gymnostemium).
   Nur ein Staubblatt bleibt funktionsfähig. Eine Ausnahme ist Cypripedium,
   wo 2 Staubblätter vorhanden sind.

·          An der Spitze der Griffelsäule sind die Pollenfächer mit den darin liegenden    Pollarien angeordnet. Meist besitzen diese eine Klebdrüse, mit deren Hilfe die   Pollen am Kopf eines Insektes befestigt werden.

·          Die Bestäubung erfolgt bei den meisten Orchideen durch Insekten, wobei kaum eine Pflanzenfamilie so mannigfache Strategien entwickelt hat.

-       Kesselfallenblüten (Frauenschuh)

-       Nektarblüten (Stendelwurz)

-       Nektartäuschblumen (Knabenkräuter)

-       Sexualtäuschblumen (Ragwurz)

-       Selbstbestäubung (Erzherzog Johann-Kohlröschen, Bienenragwurz)

·          Kleistogamie – Selbstbefruchtung innerhalb der geschlossenen Knospe. Z.B wenn in manchen Jahren bei einigen Arten die Blüte unterirdisch erfolgt.
( Neottia nidus- avis – Nestwurz)

·          Orchideesamen sind sehr klein und werden in großen Zahlen produziert.
 ( bis zu 1 Million Samen pro Samenkapsel, bis 100.000 Korn pro g).
Sie verfügen über kein Nährgewebe, das den Embryo in der ersten Entwicklungsphase ernährt, wie die meisten anderen Samen. Deshalb sind sie auf eine Symbiose mit einem Erdpilz (Mikorrhizapilz) angewiesen, der den Samen mit den notwendigen Substanzen (Zucker, Wasser usw.) versorgt. Sobald die Keimlinge selbst die ersten Blätter ausbilden und die Photosynthese anläuft, können die Pflanzen ohne den Pilz weiterleben.

·          Weitere Möglichkeiten der Fortpflanzung sind

-       Apomiktisch – die geschlechtliche Fortpflanzung fällt dauerhaft aus und wird durch andere Fortpflanzungsweisen ersetzt. Z.B. bei einigen Kohlröserlarten (Nigritella austriaca, Nigritella stiriaca, Nigritella miniata(rubra)Nigritella widderi).

-       Knollen - Nach dem Absterben der Mutterpflanze bilden sich 10-20 cm lange unterirdische Ausläufer, die an den Spitzen neue Knollen tragen. Aus diesen treiben im nächsten Jahr neue Triebe. (Herminium monorchis –Einknolle)

Kreuzungen

In der Natur kommt es häufig zu Kreuzungen (Hybridisierungen).

Interspezifische Hybriden sind Kreuzungen von Arten einer Gattung.

z.B. Anacamptis coriophora x Anacmaptis morio

 

Intergenerische Hybriden sind Kreuzungen von Arten verschiedener Gattungen.

z.B. Cephanlanthera damasonium x Epipactis atrorubens

 

Interspezifische Hybriden sind bekannt  zwischen den Arten der Gattungen

Anacamptis, Cephalanthera, Dactylorhiza, Epipactis, Gymnadenia, Neotinea, Nigritella, Ophrys, Orchis, Platanthera und Spiranthes.

Intergenerische Hybriden sind bekannt bei Cephalanthera x Epipactis, Dactylorhiza x Gymnadenia, Nigritella, Pseudorchis, Gymnadenia x Pseudorchis, Nigritella, Nigritella x Pseudorchis.